Zeitalter der Kohle: Eine europäische Geschichte
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Vom kleinsten Kohle-Staubkorn bis zum tonnenschweren Stahlblock, vom verknitterten Zettel bis zum lebensgroßen Porträtgemälde, vom lebendigen Fisch bis zum versteinerten Baum – die von den Kuratoren zusammengetragenen Objekte zeigen die gesamte Bandbreite der Dinglichkeit auf. Allein dadurch entstehen immer wieder spannende, oft auch überraschende Eindrücke und Zusammenhänge.

»Was wirklich überzeugend ist, ist die sinnliche Qualität der Gestaltung der Ausstellung (…) ich kann mich nicht erinnern, eine kulturhistorische Ausstellung gesehen zu haben (…), die so exquisit gewesen ist.«
(Andrej Klahn im Gespräch mit dem WDR)

Die Ausstellungsgestaltung bringt die einzelnen Objektarrangements in einen ästhetischen Zusammenhang und arbeitet ihre sinnlichen und insbesondere visuellen Potentiale heraus. Im engen Dialog aller Beteiligten ist ein unverwechselbarer Ort entstanden, der an Vergangenes erinnert und Fragen an Zukünftiges stellen lässt.

Der Ort

Die Kohlenmischanlage lässt den Besucher noch immer die Kraft und Dynamik spüren, die dieses Gebäude bestimmt und geformt haben. Das Erleben dieser architektonischen Dramaturgie ist Teil des Ausstellungserlebnisses.

Der Weg

Die Fahrt in der Seilbahn ist eine Zeitreise zurück in das Zeitalter des Karbons. Sie führt in ein begehbares Diorama, in dem echte Pflanzen die Industriearchitektur überwuchern. Die Pflanzen, deren Vorfahren im Laufe der Jahrmillionen zu Steinkohle wurden, begraben nun die baulichen Relikte des Kohlezeitalters unter sich. Das Thema der ersten Ausstellungs-Ebene ist der Steinkohlenbergbau, gegliedert in die vier Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft. Der Bereich unter der Zwischenebene vermittelt etwas von der dunklen Enge im Bergwerk. Hier stehen die Menschen, die untertage arbeiten im Mittelpunkt.

Die folgenden zwölf Räume, ehemalige Kohlebunker, sind durch eingeschnittene Öffnungen und eingehängte Bodenflächen zu einem Rundgang verbunden. Hier bietet jeder Raum ein spezifisches, thematisch fundiertes Raumbild. So entsteht eine Dramaturgie, die durch unterschiedliche Exponate, differenzierte Raumstrukturen, Aus- und Durchblicke sowie wechselnde Lichtsituationen noch zusätzliche Spannung erhält. Der Weg führt über eine Treppe auf die Trichterebene. Unter jedem Trichter steht in regelmäßigen Raster eine Tischvitrine, so dass sich ein regelmäßiges Raster von Ausstellungsfeldern ergibt. Durch Großexponate, die unter der Schnittlinie der einzelnen Kohlebunker aufgestellt sind, wird der Besucher auf einen Rundgang durch alle Felder geleitet.

 

 
Red Dot Award: Communication Design 2018, German Design Award 2019 »Nominee«
Auftraggeber: Ruhrmuseum Essen und Deutsches Bergbau-Museum Bochum
Projektart: Sonderausstellung
Ort: UNESCO-Welterbe Zollverein, Areal C (Kokerei), Mischanlage (C70), Essen
Zeitraum: 27. April 2018 – 11. November 2018
Ausstellungsfläche: 2.500 qm
Fotografie: Brigida González, SPACE4